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Shanghai - 05/1999

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16.05.1999 (So) - Achter Tag - Lift off

06:45 Uhr Der Wecker meldet sich heut ein letztes Mal und in gewohnter Routine werden die Stationen Dusche & Breakfast abgehandelt. Eigentlich wollten wir noch die ein oder andere nette chinesische Hotelangestellte mit in die Koffer packen, aber irgendwie hätte uns der Zoll da wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht...

08:30 Uhr Abschied vom Hotel. In einem Dodge-Van, der mindestens 20 Liter auf 100 km frißt, geht es in Richtung Airport. Es ist zwar Sonntag, aber man kann kaum einen Unterschied zu gewöhnlichen Wochentagen feststellen: Die Geschäfte sind geöffnet, die Straßen wie gewohnt voll, Fahrräder so weit das Auge reicht. Auch die Luft glänzt heute nicht mit einer besseren Qualität. Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir den Flughafen, der ebenfalls recht voll ist. Die Taxis haben sich in einer mehrere (!) hundert Meter lange Schlange eingereiht, um eine der lukrativen Fahrten in die City zu bekommen.

Das Einchecken verläuft, wie wohl überall, recht zähflüssig. Man sieht jedoch den ein oder anderen Angestellten hier lächeln - was man doch in vielen Geschäften der Stadt oder manchmal im Hotel irgendwie vermißt hat. Die Sicherheitskontrolle des Gepäcks dürfte eigentlich gar nicht so heißen, denn offenbar ist es egal, ob man seinen Koffer überhaupt durchscannen läßt oder was man darin hat. Auch das Handgepäck läuft durch einen eher historisch anmutenden Scanner, dem ich persönlich keine Trefferquote mehr zumuten würde. Großen Wert legen die Jungs hier jedoch auf die 90 Yuan Flughafensteuer (um wahrscheinlich das nächste Betriebsfest zu finanzieren).

10:45 Uhr Nachdem wir kurz den Duty-Free Bereich inspiziert haben, brauchen wir auch nicht lange zu warten bis das Bording für CA935 nach Frankfurt losgeht. In einer leicht verschwitzten Menschenschlange stürmen wir die Maschine und finden schnell die Plätze 27B/C. Unsere Bonsai-Bäume verstauen wir in sicherem Abstand zu angriffswütigen Mitfliegern. Ratzfatz ist der Flieger voll und um 11:30 Uhr hebt der Jumbo auch schon ab. Ein prüfender Blick bestätigt unsere Vorahnung: Die Maschine ist noch voller als beim Hinflug und die Wahrscheinlichkeit eine leere Vierer-Reihe als Schlafplatz zu ergattern ist recht gering.

12:30 Uhr Das Essen wird aufgetischt. Was in 7 Tagen Shanghai nicht gelingt funktioniert in 10000 Metern Höhe: Der Fisch hat keine Gräten und schmeckt auch noch ganz gut. Zum Glück macht das Essen schläfrig und auch das Lauschen der vielen uns umgebenden Sprachen versetzt uns in einen angenehmen Halbschlaf.

17:00 Uhr (MEZ: 10:00 Uhr) Aus dem Delirium aufgewacht geht es nun darum die mitgebrachte Literatur aufzuarbeiten.

Dies geschieht, trotz des hohen Geräuschpegels der Turbinen und der marktschreierischen Kommunikationsmethoden der Chinesen recht gut. Seite um Seite werden verschlungen bis uns dann um 19:00 Uhr (MEZ: 12:00 Uhr) wieder einmal das Essen (je nach Betrachtungsweise als Abend- oder Mittagessen) serviert wird. Gegen die Empfehlung der Stewardeß nehme ich Menü II und lasse mir Pork & Noodles trotzdem schmecken.

20:00 Uhr (MEZ:13:00 Uhr) In einer Lesepause stelle ich jetzt erst fest, daß auf diesem Flug überdurchschnittlich viele Kid´s mitfliegen. Dementsprechend unruhig geht es in den Gängen zu und die Eltern sind mächtig damit beschäftigt die Kleinen ruhig zu halten bzw. deren spontanen Wanderungen durch die Gänge zu unterbinden.

16:30 Uhr Landeanflug auf Frankfurt. In ewig langem Sinkflug kommen wir nur langsam durch die Wolken und entdecken endlich wieder Deutsches: Autobahnen, Nadelwälder, Baggerseen. Die Passagiere werden unruhig und suchen ihre Taschen zusammen. Nach so einem langen Flug freut man sich halt auf festen Boden unter den Füßen... Aus einer Handvoll Visitenkarten, die uns jeder dieser "Schleuser" in die Hand gedrückt hat, ziehen wir das Ziu Yuan-Restaurant. Ein bis zu den Ohren grinsender Chinese führt uns dann in einen Raum im vierten Stock des Hauses. Abgeschlossene Räumlichkeiten sind in China offenbar den feinen Herren gewidmet um sich dort in vertrauter Atmosphäre zu betrinken, ohne daß ein Nebentisch an den Peinlichkeiten teilhaben soll. Schade, denn so bleibt uns der direkte Kontakt zu Volk der Mitte leider verwehrt. Mr. Li, der heute wieder durch seine Mutter begleitet wird, hat uns etwas besonderes versprochen und bestellt minutenlang aus der Speisekarte. Bei mindestens acht großen Flaschen Bier, futtern wir uns wieder durch die exotischsten chinesischen Gerichte mit den unglaublichsten Geschmacksrichtungen. Süß/Sauer , Würzig/Mild, Scharf/Sauscharf ... alles was auf den Tisch kommt wird probiert.
Und dann kommt das versprochene Highlight: Eine Schlange wird serviert. Anfangs noch mißtrauisch beäugt, findet sich das Schuppentier schnell in unseren Schüsseln wieder. Vergleichbar mit trockenem Huhn mit Gräten wird das Tier dann unter der Rubrik "Erfahrung" abgelegt. Gegen Ende der Freß-Orgie werden wir immer mutiger und wagen uns an Reisschnaps heran. Das 54%ige Teufelszeug schmeckt einige Millisekunden lang erst einmal nach nichts, beginnt aber am Ende der Speiseröhre ein unglaubliches Höllenfeuer auszubreiten. Nachdem beide Augen wieder in die gleiche Richtung schauen können, stelle ich zu meiner Beruhigung fest, daß die anderen ebenfalls noch leben. Nach weiteren Flaschen Bier und einer kleinen Gesangseinlage von Mama Li wird es besser Zeit das Lokal zu verlassen. Mr. Li beglückt die Bedienung mit einem dicken Packen Yuan und ordert mit letzer Kraft zwei Taxen, denn ihm hat der Alkohol wieder schnell zur Schlagseite verholfen.

17:05 Uhr Touch Down. Die Maschine rollt nach einem mächtigem Bremsmanöver behäbig zum Gate und läßt uns anschließend frei. Und kaum sind wir wieder zu Hause, ist Shanghai irgendwie schon wieder so weit weg. So weit wie es eben zwei Welten nur sein können....

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