Hongkong (März 1999) |
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09:30 Uhr Muffin´ und Coffee schmecken natürlich genial und bringen mich wieder auf Tour. Mit Bewunderung beobachte ich im Kowloon-Park eine Gruppe von Tai Chi Schülern. Auch zwei Schwertkämpfer duellieren sich mit unsichtbaren Feinden und lassen sich einfach durch nichts aus der Ruhe bringen. Wenige Meter weiter werden einer Kindertruppe die Grundlagen einer Kampfsportart beigebracht. Der Sonntag scheint hier der "Ertüchtigungstag" zu sein.
11:30 Uhr Zurück im Hotel stelle ich fest, daß die Formel 1 auch in Asien viele Freunde hat. Auf Chanel 5 im Hong Kong TV schaue ich mir Ferrari und Co. an. Nicht schlecht, daß ich für dieses Spektakel schon hellwach bin, während die Freunde zuhause gerade aus dem Schlaf gerissen wurden.
13:00 Uhr Aufbruch in Richtung Star-Ferry. Auf dem Weg dorthin, es geht wieder über die Nathan-Road, spricht mich wieder ein kleiner, etwas älterer Copy-Watch-Vertreter an. Auch seine Geschäftsräume befinden sich nicht in AAA-Lage. Wieder geht es über 2 Rolltreppen und dunkle Gänge in sein Office. Das Uhren-Angebot ist ebenfalls recht beschränkt. Jedoch gefällt mir eine Rolex-Daytona ausgesprochen gut. Diese Stahl-Version habe ich bisher noch nicht gesehen. Sein Erstangebot ist recht heftig: 900 HK$ sind indiskutabel und das Feilschen geht los. Nach kurzer Zeit haben wir uns auf 400 HK$ geeinigt und der Deal ist gemacht.
An den Piers angekommen, geht es mit der Fähre für schlappe 2 HK$ nach Hong Kong Island. Im 5 Minuten Rhythmus werden hier ca. 500 Menschen auf den grünen Traditionsdampfern von Ufer zu Ufer gebracht.
14:00 Uhr Star Ferry Pier - Central District. Von hier aus starte ich einen 2,5 stündigen Erkundungstrip durch die Hochhausmetropole schlechthin. Auf fast allen Plätzen treffen sich am heutigen Sonntag die thailändischen Hausangestellten. An ihrem freien Tag wird geschnattert was das Zeug hält. Für die Familienangehörigen in Thailand werden LKW-weise Pakete verschnürt und verladen um an dem bescheidenen Luxus teil zu haben, die sich die Zimmermädchen, Köchinnen und Reinigungskräfte in Hong Kong leisten können.
In den Parks, die sich hinter den Hochhausreihen an den Victoria Peak lehnen, stehen reihenweise mit Blumen geschmückte Hochzeitskarossen. Heiraten scheint momentan sehr in Mode zu sein, denn mindestens hundert Pärchen tummeln sich im Grünen und lassen sich von mehr oder weniger professionellen Fotografen ablichten. Eine offenbar nicht gerade leichte Aufgabe, denn neben den glücklichen Paaren, tummeln sich tausende von Chinesen die den offiziell arbeitsfreien Tag unter freiem Himmel verbringen wollen.
In der Nähe des Sitzes vom noch amtierenden Gouverneurs von Hong Kong staut sich der Verkehr. Und nicht nur die PKW´s stehen still - selbst die Fußgänger stauen sich auf offener Straße. Dumm für mich, daß ich genau in die andere Richtung möchte. Da heute der letzte Tag ist an dem der Arbeitsplatz des Gouverneuers besichtigt werden kann, bevor sich Rot-China dieses britische Kulturgut unter den Nagel reißt, will offenbar halb Hong Kong daran teilhaben. Nach einigen chinesischen Flüchen, die wahrscheinlich mir gelten, kann ich mich aus dem Stau befreien und in Richtung des Bankenviertels marschieren.
Jedes Finanzunternehmen das etwas auf sich hält, hat hier eine Immobilie aufzuweisen. Hier wird ge- und verkauft, was das Zeug hält. Hauptsache man ist in den Medien, wenn gerade mal wieder ein 300m-Koloß zu ersteigern ist. Jedes dieser Hochhäuser protzt mit Marmor, Springbrunnen und riesigen Empfangshallen. Ob ich hier ein Girokonto eröffnen kann erscheint mir fraglich.
17:00 Uhr In der Causeway Bay erkenne ich die Metro-Station von Freitag-Abend wieder und entscheide mich spontan meine Füße zu schonen und die letzten (Kilo-)Meter unter Tage zu absolvieren.
18:00 Uhr Wieder im Hotel falle ich wie tot auf´s Bett. Junge Junge - die Wanderung heute war ganz schön heftig, aber sie war´s wert. Mit Waldi verabrede ich mich Morgen um 18:00 Uhr an alt bekannter Stelle. Nach einer dringend notwendigen Dusche heißt es Essenfassen: Als Sonntagsdinner gönne ich mir ein riesiges Big-Mäc-Menü (auf chines-o-englisch hört sich das jedoch etwa so an: "BiMäMenu") um für die nächste Tour ausreichend Kalorien zu tanken.
19:00 Uhr Es wird dunkel und die Zeit ist Reif für den Ladies Market in Monk Kog. Nach schlappen 10 Minuten erreiche ich zu Fuß die ersten Verkaufsstände. Ähnlich dem Night-Market gibt es hier alles zu kaufen, was sich unter dem weiten Himmel produzieren & offerieren läßt. Und ich schlage wieder zu. Nach dem obligatorischen Feilschen wechseln einige T-Shirts und Pullover den Besitzer. Auch eine echte falsche TAG-Heuer lasse ich mir nicht entgehen. Zur Belohnung gönne ich mir noch fritiertes Irgendwas für 6 $ HGK aus einer Garküche. Da der Spieß nicht (mehr) zappelt kann ich davon ausgehen, daß die Füllung so eine Art Gemüse war...
21:30 Uhr Zurück im Hotel entlocke ich mir letzte Energien und schreibe die ersten Postkarten die wahrscheinlich erst in x-Wochen zuhause ankommen werden. Da mir nach der 5000sten Karte kein neuer Vers mehr einfällt, schlafe ich fix und alle ein.