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Hongkong (März 1999)

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07.03.1999 (Fr) - Dritter Tag - Hong Kong Island Tour

08:00 Uhr Ein erstes freundliche Wake-Up in China mit einem japanischen Radiowecker. Zum Glück habe ich einen Sender gefunden, der in einigermaßen verständlichem Englisch Neuigkeiten verbreitet.

08:30 Uhr Da mir das Hotelfrühstück etwas zu teuer erscheint (ca. 35 DM), gönne ich mir bei McDonalds um die Ecke Coffee and EggMuffin. Gar nicht mal´ so schlecht. Inmitten von Schülern und Rentnern die im Kowloonpark umherwuseln, genieße ich die überraschend frische Luft.

09:45 Uhr Die im Reisepreis enthaltende Stadtrundfahrt beginnt: In der Hotellobby sammelt ein chinesischer Reiseführer mit interessanten Deutschkenntnissen einige weitere Touris ein.

09:46 Uhr Auf dem Weg zu anderen, sehr beeindruckenden Hotels bleiben wir auf ewig verstopften Straßen immer wieder stehen und können so einen ersten Eindruck von der Stadt gewinnen.

10:40 Uhr Das erste Ausflugsziel ist erreicht: der Victoria Peak. In ca. 400 m Höhe hat man einen genialen Blick auf die Stadt. Einzig der leichte, diesige Nebel trübt den Genuß des Postkartenpanoramas. Schier unmöglich scheint es, alle Wolkenkratzer zu zählen die sich in den chinesischen Himmel bohren. Von hier aus sind auch die unfaßbar teuren Villen zu bewundern, die in einer architektonischen Meisterleistung an die steilen Hänge des Peak´s gebaut wurden. Ich nehme mir vor, noch eimal hierhin zu kommen um diese Aussicht bei Nacht genießen zu können.

11:00 Uhr Das straffe Programm drängt zu Eile. Auf dem Weg zur Südküste geht es durch die Prominenten-Viertel. Hinter hohen Mauern stehen wahre Paläste, in deren Innenhöfe ausnahmslos europäische Luxuskarossen parken. Nach Auskunft des Reiseführers ist keine dieser Anwesen unter 50 Mio. HK$ (ca. 10 Mio. DM) zu haben.

11:30 Uhr In der Nähe des berühmten Drachenhauses (hier hat der Architekt auf Anraten der Feng Shui Berater ein riesiges Loch in der Wohnanlage gelassen, um den Geistern den direkten Weg vom Berg bis hin zum angrenzenden Meer freizuhalten) machen wir halt in einer Tempelanlage. Ich weiß wohl, das die Chinesen einen gewissen Drang zu Form und Farbe haben, jedoch scheint mir, daß diese kunterbunte Anlage eher dem Glauben an zahlreich strömende Touristen dient. Dutzende von Göttern, Drachen und schauriger Gestalten sind in unmittelbarer Nähe des Meeres aufgebaut und dienen als Hintergrundkulisse für tausende von Erinnerungsfotos der meist asiatischen Gäste.
Nachdem auch ich die schönsten Figuren mit der Kamera festgehalten habe, entdecke ich, eigentlich nicht überraschend, direkt neben der Anlage das etwas andere Restaurant. Budda und Burger haben offensichtlich mehr gemeinsam als man denkt...

12:00 Uhr Das in alten Reiseführern als typische Fischerdorf beschrieben Aberdeen entpuppt sich als stinkendes Moloch aus Fabriken, Autos und Booten. Nase zu und durch heißt die Parole. Für 50 HK$ gibt es eine 25 minütige Bootstour durch das Gewusel der dreckigen Hafen-anlage. Die offenbar bereits 200 Jahre alte Bootsführerin verschafft sich ihre Vorfahrt durch permanentes Anbrüllen aller uns zu nahe kommender Boote. Auch der ein oder andere Passagier handelt sich eine verbale chinesische Attacke ein, weil er durch einen Sitzplatzwechsel den kleinen Kutter aus dem Gleichgewicht bringt. Zwischen einigen Hausbooten und schwimmenden Restaurants kommt irgendwie kein echtes asiatische Feeling auf, denn das Meer ist übersät mit dem Wohlstandsmüll der in keinem Urlaubskatalog erwähnt wird. Im Anschluß an diese "Butterfahrt", besuchen wir noch den kleinen Fischmarkt. Da sich der Duft der großen schwimmenden Müllhalde in meiner Nase festgesetzt hat, läßt mich der Gestank der Fische völlig kalt. Unbeeindruckt des europäischen "Fotogewitters", schleppen die Fischer Korb um Korb der ungewöhnlichsten Fische an Land. Kaum zu glauben, was hier so unter dem Meeresspiegel lebt.

12:45 Uhr Ein weiterer exklusiver Höhepunkt der Tour soll der Besuch einer Aberdeener Goldschmiede-Manufaktur werden. Einem fünf-minütigem Rundgang durch die riesige Werkstatt (in der lediglich vier Goldschmiede herumwerkeln), folgt ein geschicktes Schleusen in die vornehmen Verkaufsräume (hier schwärmen sofort mindestens 20 Verkäufer auf die vermeintlich potentiellen Kunden). Da das güldene Geschmeide nicht unbedingt meinem Geschmack entspricht, vertreibe ich mir die Zeit mit dem Beobachten der Leute. Unterdessen geben sich auch die typisch deutschen Touristen dadurch zu erkennen, daß sie die kostenlosen 0,1 Liter-Erfrischungen zum wiederholten male ergaunern. Da heute kein Umsatz zu machen ist, scheucht uns der Reiseleiter (der heute offensichtlich sauer über die entgangene Provision ist) wieder zurück in den Bus. In den engen Gassen Aberdeen´s kommen wir auch an einer Mercedes-Werkstatt vorbei. Diese hat, im Gegensatz zu all den anderen "Flick-Garagen" hier, den Stern offenbar verdient, denn dort wird das Altöl nicht in den Abfluß gekippt....

14:30 Uhr Auf dem Rückweg nach Hong Kong kommen wir an der weltberühmten Pferderennbahn vorbei, auf der vornehmlich Nachts die halbe Stadt ihr Glück beim Wetten sucht. Für Uunverbesserliche gibt es auch ein kleines Hospital, von dessen Krankenbetten aus die Patienten dem nächtlichen Spektakel zusehen können. In einem der nächsten Verkehrsstau´s, wartet direkt neben mir ein unscheinbarer Kleinlaster. Beim genauen Hinsehen entdecke ich auf der Ladefläche 3 Leichensäcke, die offensichtlich auch gefüllt sind. Der Fahrer lacht mich an und bestätigt durch eine eindeutige Handbewegung (Daumen nach unten) meine Vermutung.

14:45 Uhr Letzter Tagesordnungspunkt ist der Besuch eines original rotchinesischen Kaufhauses im Stadtteil Monk Kog. Hier wimmelt es nur so von kommunistischen Kinkerlitzchen und kapitalistischem Kitsch. Der Reiseführer wittert wieder seine Chance und verkündet einen speziellen Rabatt von 5 % bei einem Mindestumsatz von 500 HK$ - na prima. Trotzdem ergattere ich mein erstes Reisesouvenier: eine Holzschatulle mit reichlich Schnitzereien.

15:45 Uhr Mein Magen erinnert mich daran, daß es höchste Zeit wird, Nachschub zu fassen. Was liegt in Hong Kong näher als chinesisch zu essen. Meine Wahl fällt auf das Restaurant mit dem unspektakulären Namen "London China Restaurant". An den etwa fünfzig Tischen bin ich offenbar der einzige europäische Gast und muß mich überraschten Blicken der anderen Gäste aussetzen. Da die Speisekarte englische Fragmente enthält, ist es mir möglich "Chicken SowieSo" zu bestellen. Die von Waldi angedrohte Unfreundlichkeit so manchen Chinesen bekam ich auch sofort zu spüren. Der Ober zieht es vor, mir den noch leeren Teller mehr oder weniger auf den Tisch zu werfen, anstatt in asiatischer Freundlichkeit zu kredenzen. Trotzdem ist das Essen gut und vor allen preiswert (12 HK$). Den Umgang mit Stäbchen habe ich ja zum Glück Zuhause fleißig geübt, denn ich schätze der Ober hätte einen Teufel getan, mir eine Gabel zu besorgen. Daß bei dieser technisch anspruchsvollen Art des Essens auch einiges auf die Tischdecke fällt ist in China offenbar normal, denn auch die anderen Gästen hinterlassen auf den Tischen ein wahres Schlachtfeld der Köstlichkeiten.

16:15 Uhr Da ich schon mal´ in Monk Kog bin, will ich es auch nicht versäumen, den berühmten Bird´s Market zu besuchen. Die spinnen die Chinesen: auf ca. 200 m gibt es in Geschäften oder Straßenständen nur Vögel und Papageien mit dem dazugehörigen Futter zu bestaunen und vor allen zu kaufen. Kiloweise Körner und lebende Heuschrecken wechseln hier den Besitzer wie bei uns die frischen Brötchen. Daß in den Gassen übelste Dämpfe gären braucht eigentlich nicht gesondert gesagt zu werden. Vögel sind in China offenbar beliebte Haustiere. Überall sieht man ältere Leute, die mit ihren gefiederten Freunden spazieren gehen. Auch in den Teehäusern gibt es regelrechte Garderobenstangen für die Käfige, an denen die Vögel während des Aufenthalts "zwischengeparkt" werden.

16:45 Uhr Jetzt aber volle Pulle zurück ins Hotel um Waldi noch im "Office" telefonisch zu erreichen. Da ich keine Telefonkarte habe und es in der ganzen Stadt keine Münztelefone gibt, heißt es stramm zu marschieren. Und die Nathan-Road kann ja so lang sein.... Menschen über Menschen verstopfen selbst die Bürgersteige - ein scheinbar unendlicher Riesenslalom zwischen kleinen chinesischen Slalomstangen.

17:05 Uhr "TÜV-Rheinland - good evening...". Um 18:15 Uhr an der Metro-Station Tsim Sha Tsui. Unter der Dusche gönne ich meinen Füßen einen Kälteschock. Die zwei verrichten wahre Schwerstarbeit in dieser Woche .

18:15 Uhr Am Meeting-Point weist mich Waldi in die Geheimnisse der Hong Konger U-Bahn ein. Hier hat alles seine Ordnung und das System ist schnell begriffen (es gibt zwar nur drei verschiedene Linien, jedoch hat jede Station mindestens vier Ausgänge...). An der Kasse werde ich schnell als Touri erkannt und ich erhalte für 25 HK$ eine 20 HK$ Metro-Card. Auf den ersten Blick ein schlechter Deal - Waldi klärt mich jedoch auf, daß diese Karten bald einen Sammlerwert haben und mich zum reichsten Mensch der Welt macht....
Nach vier Stationen und einmal umsteigen erreichen wir den Central District auf Hong Kong Island. Bei der "Unterquerung" des Hafens fällt mir auf, daß selbst hier noch die Handy´s funktionieren. Auch hierfür gibt es eine Erklärung: Das komplette U-Bahn-Netz ist mit eigenen Antennenanlagen ausgestattet, um selbst die belanglosesten Gespräche unter Tage nicht zu unterbrechen.
Im Central District werden nicht nur die höchsten und teuersten Wolkenkratzer gebaut, sondern hier wird auch das meiste Geld der Welt verdient. Eine Bank ist höher als die andere und ein Konzern überflügelt den Anderen was Ausstattung und Größe der Eingangshallen betrifft. Alle größeren Gebäude werden nachts angestrahlt und verleihen ihnen somit einen noch größeren Glanz.
Zweimal links und dreimal rechts und schon sind wir im Drinking-Viertel angelangt. Hier warten auch schon die Kollegen (eine Kollegin) vom TÜV. In der einen Hand den Aktenkoffer, in der anderen eine Flasche Bier - so stehen die Jungs wohl regelmäßig vor den Kneipen. Wir lassen uns nicht lange bitten und zischen mal fix 2 Carlsberg weg...

19:15 Uhr Die TÜV´ies bekommen so langsam Hunger und einigen sich auf indisch. Ich folge der Truppe gespannt in eine schummrige Seitengasse und anschließend in einen noch dunkleren Hauseingang. Mit einem nicht gerade vertrauenerweckenden Personenaufzug geht es in den dritten Stock des leicht maroden Hauses. Hinter einer unscheinbaren Tür eröffnet sich das "Restaurant": Auf 4 x 6 Metern drängen sich gerade einmal 6 Tische, von denen wir auch sofort zwei belegen. Ich studiere gerade als einziger die Speisekarte als einer der Jungs auch schon die Bestellung aufgibt: "7 Beers and to eat...eya...bring us something." Das Glänzen im Auge des Obers ist deutlich zu sehen. Pünktlich mit der neuen Runde des indischen Biers wird auch das Essen aufgetischt. Jede Menge alles - süß, sauer, würzig, scharf und alle Geschmäcker die noch dazwischen liegen. Neben dem leckeren Essen überrascht auch die angenehme Rechnung, pro Nase schlappe 120 HK$.

21:00 Uhr Zwei TÜV´ies strecken die Fahne und mit einem Taxi rollen wir zu fünft in Richtung Causeway Bay. Der chinesische Driver hält uns für Italiener und flucht unter anderem auch über die dicken Deutschen. Wir lachen uns tot und geben uns zu erkennen - höhö.
Die Jungs zieht es erst einmal in eine Spielhalle. Als die Tür des Aufzuges im 3.Stock aufgeht, empfängt uns ein wahnsinniges Gedröhne. Auf 20 x 40 Metern stehen fast 200 Videospiele, wobei eins verrückter als das andere ist. Ballerspiele - Autorennen - was das Herz begehrt. Fast jedes Gerät ist besetzt (ausschließlich von Chinesen) und es wird geballert und gedrückt bis die Tasten qualmen. Nach mehreren 100.000.000 Punkten und unzähligen Autocrashes ist das Kleingeld alle und wir sind logischerweise wieder durstig.

21:45 Uhr Gleiches Haus - gleicher Aufzug - 4.Stock. Eine total britisch aufgemachte aber absolut international besuchte Kneipe. Hier tummeln sich offenbar mehr unterschiedliche Rassen als ich überhaupt kenne. Die berufsbedingt gutgelaunten Barkeeper jonglieren mit Flaschen und Gläsern herum als seien es Tennisbälle. Der britische Nationalspieler Paul Gascoine soll für die Dauer von einigen Flaschen Bier hier gewesen sein und bei seinem anschließenden Rückflug eine Maschine der Cathay Pazific mächtig zerlegt haben.

22:30 Uhr Nach weiteren Flaschen Carlsberg ziehe ich mich aus der mittlerweile lustigen Runde zurück. Die Jungs haben Wochenende und trinken fleißig weiter. Allein unter 100.000 Chinesen gelingt mir der nächtliche Heimweg mit der Metro.

23:00 Uhr Endlich im Hotel - Licht aus - gute Nacht!

www.klaus-klee.de | Geändert: 01.11.2004 - 11:24 Uhr
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