Hongkong (März 1999) |
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06:50 Uhr Mit dem Bus zu fahren ist doch was´ tolles, besonders wenn dieser nicht dort hält wo man eigentlich hin möchte. Bei dem Blick auf mein Gepäck grinst mich der Busfahrer am Löhr-Center an und sagt, daß er nicht zum Hauptbahnhof fährt. Grrr. Zum Glück hab´ ich noch genug Zeit für diesen Morgenspaziergang.
07:47 Uhr Der IC kommt pünktlich an und fährt auch pünktlich wieder ab, was mich eigentlich schon stutzig macht.
09:00 Uhr Frankfurt Airport-Bahnhof. Endlich raus aus dem verqualmten Nichtraucherabteil. Es sollte nicht der letzte Zug für heute sein, denn mein Flieger geht am neuen Terminal 2 in die Luft. Also: Wiedermal Gepäck aufnehmen und ab in die Schwebebahn. In 60 Sekunden ist die Fahrt vorbei und ich betrete erstmals das neue High-Tech Terminal: Alles aalglatt designed hier. Der Schalter der British Airways ist schnell gefunden und die Mädels sind auch unheimlich nett. Für den Flug BA903 nach London ist mir der Sitzplatz so ziemlich egal aber für BA31 nach HKG wünsche ich mir dann doch ein Fensterplatz. "No Problem Sir" meint die Lady hinterm Tresen .... tipp tipp klick klick "23H - o.k. it´s booked ...ups"... sagt sie dann eine Millisekunde später und erklärt mir, daß 23H ein Platz am Gang ist. Aber das ist mir dann auch egal, denn dort kann ich vielleicht meine Beine etwas besser sortieren.
09:50 Uhr Sicherheitskontrolle: Der Mann am Scanner gestikuliert wild herum und läßt mich den Rucksack öffnen nachdem seine Suchmaschine angeschlagen hat: Kurze Zeit später weiß auch er was ein Blitzgerät und ein Seesack-Haltebügel ist.
10:40 Uhr Boarding-Time: British Airways hat für den London-Flug eine nagelneue Boing 767 aus der Schublade äh aus dem Hangar geholt - es riecht zwar noch nach Plastik, aber sonst ganz hübsch...
11:05 Uhr Erste bekannte Gesichter: Joschka Fischer stürmt mit einem großen Aktenkoffer heran. Wahrscheinlich ist da ein Castor-Behälter drin, den man in England billiger entsorgen kann. (Freund Joschka fliegt natürlich 1.Klasse und tut so als würde er mich nicht mehr erkennen).
11:20 Uhr Da es der Käpt´n offensichtlich eilig hat zurück nach Britannien zu kommen, legen sich die Stewardessen mächtig ins Zeug um ein Quicky-Frühstück zu servieren. Und tatsächlich gibt es hinterher noch die obligatorische Duty-Free-Verkaufsveranstaltung. Und wie kann es anders sein: Jede Menge rotnasige Passagiere ordern Whiskey und anderes Teufelszeug.
12:20 Uhr Touch-Down: Mein erster Kontakt mit dem Königreich. Leider kein herzliches Welcome von Lisbeth. Aber ansonsten wimmelt es hier von BB´s (Blassen Briten). Da wir Deutschen den Tommy´s schon immer etwas voraus waren, muß ich die Uhr eine Stunde zurückstellen.
12:40 Uhr Ein Shuttle-Bus bringt uns von Terminal 1 nach Terminal 4. Heathrow ist ja ein Riesen-Ding. Nach spätestens 2 Minuten hätte ich mich schon bitterlich auf dem Gelände verfahren. Aber Mr. Bean am Steuer hat offensichtlich den Durchblick und fährt mit beängstigender Sicherheit durch Tunnel, Kreuzungen, Hallen.
13:00 Uhr Meine erste echte Finanztransaktion mit den Briten: 4 Postkarten samt Briefmarken für nur one Pound ebbes. Terminal 4 gleicht einem Kaufhaus. Jede Menge kleiner Geschäfte bieten von A - Z alles an, was man auf einer Flugreise mit Sicherheit nicht brauchen kann. Aber Hauptsache der Schnickschnack erinnert an die schöne Wartezeit in Heathrow.
13:10 Uhr Vor lauter Langeweile verballere ich meine ersten Dia´s auf dem Flughafen. Mit der Gewißheit, daß diese Schnappschüsse keinen Menschen interessieren wird, fotografiere ich sogar die besagte Einkaufsmeile. Mittlerweile frage ich mich, warum es unbedingt die komplette Fotoausrüstung sein mußte, die an meiner Welteroberung teilhaben sollte, denn der Rücksack ist ganz schön schwer.
14:00 Uhr Boarding für BA31: Das Durchschnittsalter der Fluggäste beträgt ca. 50 Jahre. Da wollen wahrscheinlich noch ein paar alte Königstreue die Noch-Kolonie vor dem 01.07.97 besuchen. Tweed-Stoff und holziges Parfüm prägen ab sofort das Bild an Bord. Außerdem muß man wohl ab sofort damit rechnen, daß die Ladies After Eight austauschen und den alten Haudegen der Scotch gereicht wird
14:10 Uhr Platz gesucht - Platz gefunden: 23H. Auf 23K (dem Fensterplatz) sitzt ein Farbiger, sieht aus wie Air Jordan. Neben mir 23J sitz eine Berliner Quasselstrippe die eine Flasche Kräuterschnaps im Handgepäck hat.
14:50 Uhr Nachdem auch endlich der letzte Passagier seine Plastiktüten verstaut hat und endlich der Aufforderung nachkam sich anzuschnallen geht die Post ab.
15:00 Uhr Wie von der Tarantel gestochen schwärmen die Stewardessen aus und verteilen Orangejuice im Hart-PE-Becher. Vielleicht läuft ja das Haltbarkeitsdatum in 10 Minuten ab, aber dafür schmeckt er noch ganz gut.
15:20 Uhr Die Mädels der BA wollen offensichtlich das Getränkelager räumen: Mit der Androhung auf das Dinner stehen einige Alkoholika zur Auswahl. Da wir wahrscheinlich gerade deutsches Heimatland überfliegen, entscheide ich mich für Kirner Weißwein. Die 0,187 Liter, die diesmal in einem durchsichtigen Hart-PE-Becher serviert werden, scheinen von der Marke "Morgendröhnung" zu sein. Noch 2-3 Schoppen davon und ich verliere das Bewußtsein und außerdem noch den Glauben an die deutsche Weinwirtschaft.
15:40 Uhr Die Quasselstrippe bietet mir zum 2. mal den Kräuterschnaps an - zum 2. mal lehne ich ab. Entweder sind die Berliner so oder sie hat auf dem Flughafen schon so eine Kräuterpulle angetestet. Und immer wieder meckert sie rum, daß ihr Gustav nicht neben ihr sitzen darf sondern in etwa 5 Meter Entfernung.
16:25 Uhr Nachdem aus den Microwellen schon seit geraumer Zeit eine "lecker Luft" in der Maschine verbreitet wird, ist es dann auch endlich soweit. Mein "Dinner for one" sieht folgendermaßen aus: Krabben in gelbem Sowieso, Chicken süß/sauer und Nudeln. Für eine Boardküche gar nicht mal so übel. Und der Nachtisch sollte einen Nobelpreis kriegen - so was habe ich dem Empire nun wirklich nicht zugetraut. Ein 1a Kuchen.
16:30 Uhr Die Strippe verschmäht ihr Essen und verschwindet in Richtung Gustav ohne natürlich den Kräuterschnaps zu vergessen.
17:00 Uhr Die Dumpfbacke kommt zurück, sagt offensichtlich etwas. Aber es interessiert weder mich noch Air Jordan, der offenbar nach dem Essen in ein freiwilliges Koma gefallen ist. So langsam wird es Zeit für mich die ersten Hong Kong-Vorbereitungen zu treffen: Mit dem Buch "Die letzten Tage von Hong Kong" tauche ich erstmals in die Geschichte dieser phantastischen Stadt ein.
17:40 Uhr Die erste Bildung einer Interessengemeinschaft reißt mich aus der Lesestunde: Schlangestehen vor der Boardtoilette verbindet offensichtlich die Völker dieser Welt.
17:50 Uhr Das Licht geht aus: Der Ober-Steward denkt offensichtlich es sei nun Schlafenszeit.
17:51 Uhr Ca. 400 Arme werden hochgerissen um die Leselampen anzuswitchen. Ich schließe mich dem allgemeinem Erleuchtungswunsch an und lese weiter.
18:50 Uhr Bin auf Seite 66 des mächtigen Wälzers angelangt und brauche eine Pause. Um ggf. die Zeitzonen zu überlisten (in Hong Kong passiert alles 8 Stunden früher) lege ich mich erstmals auf´s Ohr. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn jeder andere Körperteil muß leider sitzenbleiben.
20:00 Uhr Der erste Versuch ist offensichtlich mißlungen. Ich erinnere mich nämlich auch prompt daran, daß meine Sitzreihe genau über den Tragflächen festgeschraubt sind und somit ganz genau mitbekomme wie gut die Turbinen momentan in Form sind.
21:25 Uhr Auch der zweite Versuch geht schief: Die British Airways sollte nicht nur die Flieger zur Wartung in den Hangar schieben, sondern vielleicht auch die quietschenden Karren mit der Duty-Free-Fracht.
22:00 Uhr Für alle Fälle stelle ich mich mal´ auf die Hong-Kong Zeit ein und natürlich um. Das meine alte Swatch auf ihre alten Tage hin noch so etwas erleben darf hätte sie wohl auch nicht gedacht. Aus 22:00 Uhr werden plötzlich 6:00 Uhr in der Frühe und der 05. März wird der bisher kürzeste Tag in meinem Leben.